8. September 2026 von Qiong Wu
Auf der IFA 2026 in Berlin hat Cudy seinen kompakten Wi-Fi-7-Reiserouter TR3600 gezeigt. Das Gerät wird als BE3600-Modell vermarktet und kombiniert zwei 2,5-Gigabit-Ethernet-Ports, USB 3.0, USB-C-Stromversorgung und OpenWrt-Unterstützung in einem ungewöhnlich kleinen Gehäuse.
Kurz nach der Messe konnten wir das chinesische Modell selbst ausprobieren.

Reiserouter sind normalerweise keine besonders aufregende Gerätekategorie.
Sie sollen klein sein, Hotel-WLAN weiterreichen, vielleicht einen VPN-Tunnel aufbauen und im besten Fall nicht abstürzen.
Der Cudy TR3600, auf der Verpackung schlicht als BE3600 bezeichnet, versucht deutlich mehr. In einem Gehäuse, das kaum größer als eine Handfläche ist, kombiniert Cudy Wi-Fi 7, zwei 2,5-Gigabit-Ethernet-Ports, USB 3.0, USB-C-Stromversorgung und OpenWrt-Unterstützung.
Wir konnten uns ein chinesisches Modell besorgen und haben einen ersten Blick darauf geworfen.
Der erste Eindruck ist vor allem: erstaunlich kompakt.
Der TR3600 misst laut Hersteller rund 118 × 80 × 27,5 Millimeter und wiegt etwa 164 Gramm. Die beiden Antennen lassen sich nach oben klappen, eine weitere Antenne sitzt intern.
Damit passt der Router problemlos in eine Notebook- oder Techniktasche und bleibt auch inklusive USB-C-Netzteil deutlich kleiner als typische Heimrouter.
Das grüne Gehäuse unseres chinesischen Modells wirkt dabei fast schon ungewöhnlich zurückhaltend. Auf der Oberseite sitzen Lüftungsschlitze, vorne lediglich eine kleine Status-LED.

Auf der Rückseite wird es interessanter: Neben USB 3.0 gibt es jeweils einen 2,5-Gbit/s-WAN- und LAN-Port sowie USB-C für die Stromversorgung.
Gerade die beiden 2,5-Gigabit-Ports sind bei einem Gerät dieser Größe bemerkenswert.
Beim WLAN setzt der TR3600 auf Dualband-Wi-Fi 7.
Cudy gibt maximal 2.882 Mbit/s auf 5 GHz und 688 Mbit/s auf 2,4 GHz an. Über Multi-Link Operation, kurz MLO, nennt der Hersteller eine theoretische Gesamtgeschwindigkeit von bis zu 3.570 Mbit/s. Unterstützt werden außerdem typische Wi-Fi-7-Funktionen wie 4K-QAM, MRU und Puncturing.
Wichtig ist allerdings: Der TR3600 besitzt kein 6-GHz-Funkmodul.
Wi-Fi 7 bedeutet hier also nicht automatisch Tri-Band-WLAN. Das Gerät nutzt weiterhin 2,4 und 5 GHz, bringt darauf aber Teile des neuen Standards mit.
Für einen Reiserouter ist das durchaus nachvollziehbar. Ein zusätzliches 6-GHz-Radio würde Stromverbrauch, Wärmeentwicklung und Kosten erhöhen. Gleichzeitig ist 6 GHz gerade unterwegs nicht zwingend der wichtigste Faktor.
Interessanter ist hier eher, dass ein Gerät dieser Größe überhaupt Wi-Fi 7 inklusive MLO unterstützt.
Ein häufiges Problem kompakter Router ist, dass die WLAN-Seite inzwischen deutlich schneller ist als die kabelgebundene Schnittstelle.
Cudy vermeidet das beim TR3600.
Sowohl WAN als auch LAN arbeiten mit bis zu 2,5 Gbit/s. Damit eignet sich der Router nicht nur zum Weiterreichen einer langsamen Hotelverbindung, sondern auch für schnelle lokale Netzwerke, NAS-Zugriffe oder moderne Glasfaseranschlüsse.
Gerade in Verbindung mit Wi-Fi 7 ist das sinnvoll.
Ein Router mit mehreren Gigabit theoretischer WLAN-Leistung, aber lediglich einem Gigabit-Uplink, würde schließlich schnell an eine offensichtliche Grenze stoßen.
Ob der TR3600 in der Praxis tatsächlich dauerhaft mehrere Gigabit routen kann, ist eine andere Frage. Das wollen wir noch separat messen.
Im Inneren arbeitet ein MediaTek-Prozessor mit zwei ARM-Cortex-A53-Kernen und 2 GHz.
Dazu kommen 512 MB DDR4-RAM und 256 MB NAND-Flash.
Für einen klassischen Heimrouter wären diese Daten unspektakulär. Für einen mobilen Router sind sie dagegen recht ordentlich.
Vor allem die 512 MB RAM und der relativ großzügige Flash-Speicher sind interessant, sobald zusätzliche Dienste installiert werden sollen.
Und genau hier kommt das vermutlich spannendste Merkmal des TR3600 ins Spiel.
Cudy bewirbt den TR3600 ausdrücklich mit OpenWrt-Unterstützung.
Damit richtet sich das Gerät nicht nur an Nutzer, die ein fertiges Reise-WLAN suchen, sondern auch an diejenigen, die ihren Router selbst konfigurieren wollen.
OpenWrt ermöglicht unter anderem zusätzliche Pakete für VPN, DNS-Filter, Routing, Monitoring oder Dateifreigaben. Cudy nennt selbst beispielsweise Adblocking und erweiterte Routing-Szenarien als mögliche Anwendungen.
Gerade auf Reisen kann das ziemlich praktisch sein.
Statt jedes einzelne Gerät mit einem VPN zu konfigurieren, kann der gesamte Datenverkehr über den Router laufen. Dasselbe gilt beispielsweise für WireGuard, Tailscale oder eigene DNS-Lösungen.
Der Reiserouter wird dadurch weniger zu einem einfachen WLAN-Verstärker und eher zu einem kleinen Linux-Netzwerkgerät.
Wie gut sich die offene Firmware auf dem TR3600 tatsächlich nutzen lässt und wie unkompliziert Installation und Recovery sind, werden wir uns noch genauer ansehen.
Der klassische Einsatzzweck bleibt natürlich weiterhin bestehen.
Der Router kann sich selbst über WLAN mit einem bestehenden Netz verbinden und anschließend ein eigenes WLAN für alle persönlichen Geräte bereitstellen.
Das ist besonders in Hotels praktisch.
Statt Smartphone, Notebook, Tablet und möglicherweise weitere Geräte einzeln mit dem Hotelnetz zu verbinden, meldet man lediglich den Router an.

Alle anderen Geräte bleiben anschließend im eigenen WLAN.
Auch Netzwerke mit Captive Portal – also der typischen Login-Seite im Hotel oder Flughafen – lassen sich auf diese Weise zentral nutzen.
Neben dem Komfort hat das noch einen zweiten Vorteil: Die eigenen Geräte befinden sich nicht direkt im öffentlichen WLAN.
Cudy unterstützt ab Werk sowohl VPN-Client- als auch VPN-Server-Funktionen.
Gerade für einen Reiserouter ist das vermutlich eine der wichtigsten Funktionen.
Wer regelmäßig öffentliche WLAN-Netze nutzt, kann den gesamten Datenverkehr beispielsweise direkt über einen eigenen VPN-Endpunkt zuhause oder im Büro schicken.
Das ist nicht nur für klassische VPN-Dienste interessant.
Mit OpenWrt lassen sich deutlich komplexere Setups realisieren, etwa verschiedene Routing-Regeln für einzelne Geräte oder Netze.
Für technisch versierte Nutzer dürfte genau diese Flexibilität einer der Hauptgründe sein, den TR3600 statt eines einfacheren Reiserouters zu wählen.
Zusätzlich besitzt der Router einen USB-A-3.0-Port.
Cudy sieht ihn unter anderem für USB-Speicher vor. Ein USB-Stick oder eine externe Festplatte kann damit als Netzwerkspeicher bereitgestellt werden.
Der Hersteller bewirbt außerdem eine 5-V-/2-A-Stromversorgung über USB für portable WLAN-Geräte. Dadurch lassen sich beispielsweise externe Mobilfunkmodems oder andere USB-Geräte direkt am Router betreiben.
In Kombination mit OpenWrt dürfte der Anschluss aber noch deutlich mehr Möglichkeiten bieten.
Gerade hier wird es interessant zu testen, welche USB-Geräte von der Firmware tatsächlich unterstützt werden.
Der TR3600 benötigt kein proprietäres Netzteil.
Die Stromversorgung erfolgt über USB-C mit Power Delivery. Unterstützt werden laut Cudy unter anderem 5 V bei 3 A, 9 V bei 2,2 A und 12 V bei 1,6 A. Die maximale Leistungsaufnahme gibt der Hersteller mit 15 Watt an; im Leerlauf sollen es rund 3,9 Watt sein.
Dadurch lässt sich der Router nicht nur mit einem gewöhnlichen USB-C-Netzteil betreiben.
Auch eine Powerbank ist möglich.
Für ein Gerät, das explizit fürs Reisen gedacht ist, ist das ein erstaunlich wichtiger Punkt. Man muss kein zusätzliches Netzteil mitnehmen und kann im Zweifel dasselbe Ladegerät für Notebook, Smartphone und Router verwenden.
Auf den Produktbildern wirkt der TR3600 zunächst wie ein vollständig passiv gekühltes Gerät.
Tatsächlich sitzt im Inneren aber ein temperaturgeregelter Lüfter.
Cudy bezeichnet das als „Smart Cooling System“. Der Lüfter soll seine Drehzahl abhängig von der Last anpassen.
Das ist wahrscheinlich der Preis dafür, Wi-Fi 7, 2,5-Gigabit-Ethernet und einen vergleichsweise leistungsfähigen SoC in ein so kleines Gehäuse zu bekommen.
Wie hörbar der Lüfter bei längerer Last wird, ist deshalb ebenfalls etwas, das wir in einem ausführlicheren Test prüfen wollen.
Nach dem ersten Eindruck ist der Cudy TR3600 vor allem deshalb interessant, weil er mehrere Eigenschaften kombiniert, die bislang selten gemeinsam in einem derart kleinen Gerät zu finden waren.
Wi-Fi 7, zwei 2,5-Gigabit-Ports, USB 3.0, USB-C-PD und OpenWrt-Unterstützung ergeben auf dem Papier ein ziemlich flexibles Paket.
Der offensichtliche Konkurrent sind dabei weniger klassische Heimrouter als Geräte von Herstellern wie GL.iNet, die Reiserouter ebenfalls zunehmend als vollwertige Netzwerkplattform positionieren.
Für Nutzer, die lediglich unterwegs ein WLAN weiterreichen möchten, dürfte der TR3600 wahrscheinlich überdimensioniert sein.
Wer dagegen auf Reisen eigene VPN-Tunnel, mehrere Geräte, schnelle kabelgebundene Verbindungen oder ein individuell konfiguriertes OpenWrt-System betreiben möchte, bekommt hier ungewöhnlich viel Hardware auf sehr wenig Raum.
Nach dem ersten Hands-on ist deshalb vor allem eine Frage offen:
Wie viel von der theoretischen Leistung bekommt der kleine Router in der Praxis tatsächlich auf die Straße?
Das werden wir uns als Nächstes ansehen.
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